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Ich bin Google, deine Suchmaschine (4)

oder: Was du denktst, wen interessiert das?

Zwei meiner Materialseiten werden seit vielen Wochen täglich mehrfach besucht, andere Seiten wurden noch nie aufgerufen. Woran kann das liegen? Sind diese zwei Seiten wirklich so interessant?

Gibt man bei der Google-Bildersuche “earth” ein, so wird an 2. oder 3. Stelle ein wunderschönes Bild der Erdkugel (gesehen aus dem Weltall) angezeigt – das Bild von meiner Webseite! Bei dieser guten Positionierung ist es kein Wunder, dass diese Seite jetzt täglich mehrfach aufgerufen wird. Dieses Bild stammt natürlich nicht von mir sondern ist eine (legale) Kopie eines Bildes der ESA. Das hat googlebot bisher noch nicht herausgefunden (obwohl ich ordnungsgemäß die Originaladresse direkt unter dem Bild notiert habe).

Google Bildersuche: earth
Google Bildersuche: earth

Gibt man bei der Google-Bildersuche “erde” ein, dann wird “meine Erdkugel” nicht angezeigt. Warum ist das so?

Mein Bild hat den nichtssagenden Namen “sv003.jpg” (das mag Google eigentlich gar nicht), aber in meinem zugehörigen Text steht “full-disc Earth image” und das hat Google gespeichert. Da der Suchbegriff “earth” sehr häufig eingegeben wird und die Surfer dann meistens mein Bild angeklickt haben, hielt Google dieses Bild für relevant und schob es in der Suchanzeige immer weiter nach vorne.

Hätte ich den englischen Originaltext übersetzt und “Bild der vollen Erdscheibe” geschrieben, dann hätte ich bei Google nie so einen guten Platz erreicht. Wer sucht schon nach “Erdscheibe”?

Mein zweiter Spitzenreiter ist das Bild eines IBM ThinkPad R51. Hier liegt “mein” Bild z.Zt. sogar auf Platz 1!

Google Bildersuche: ibm thinkpad
Google Bildersuche: ibm thinkpad

Warum ist das so und wem nützt das?

Eines der wichtigsten Kriterien für Google ist die Relevanz eines Materials – gemeint ist hierbei seine Bedeutung, Wichtigkeit und Aktualität – aus der Sicht von Google!

Diese Relevanz hat mit dem Inhalt von IT-online, mit den Informationen, die ich für wichtig und aktuell halte, überhaupt nichts zu tun. Kann es auch nicht, denn heutige Webcrawler sind bei weitem nicht intelligent genug, um einen Text oder eine bestimmte Anordnung von Bildern wirklich zu verstehen. Ein solches Verständnis ist von Google auch gar nicht beabsichtigt. Google interessiert nicht, was ich für wichtig halte, sondern was die Google-Nutzer wichtig finden. Das herauszufinden ist einfach: Google zählt die Klicks auf seiner Webseite!

Alles, was oft gesucht und angeklickt wird, ist relevant und wandert in der Anzeige allmählich nach vorn, alles andere wird immer weiter nach hinten geschoben.

Ist das nicht einfach genial?!

Aber warum erinnert mich das jetzt an die Boulevardpresse?

Ist es nicht auch so, dass meine Weltkugel auch deshalb so oft angeklickt wird, weil sie einen vorderen Platz hat, und dass sie deshalb noch weiter nach vorne rückt und deshalb noch häufiger angeklickt wird und…

Vielleicht gibt es eine viel schönere Weltkugel auf Google-Seite 10, die aber schwerer zu finden ist und deshalb nicht so oft angeklickt wird und deshalb immer weiter nach hinten rutscht?

Ich denke, dass das Zählen von Klicks, das Berechnen einer Relevanz als Grundlage für die Auswahl und Reihenfolge der Präsentation von Informationen durch einen so großen und einflussreichen Informationsdienst sich hier als konservative Strategie entpuppt.

Und dies war wohl schon seit der Gründung im Jahr 1998 die Philosophie von Google. Der Name beruht ursprünglich auf einem Schreibfehler. Gemeint war “Googol”, in der Mathematik die Zahl 10100, eine 1 mit 100 Nullen – Google, der Zahlenriese!



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